Like-Sucht oder Selbstverwirklichung?

Wir alle kennen es:
Völlig glücklich posten wir unser neuestes Foto, freuen uns auf viele Likes und Kommentare – und was passiert? Das Foto bekommt gerade mal 30-40 Likes. Bäm. Toll. Dabei ist das doch so ein tolles Bild und auch ganz ähnlich zu dem von Fotograf XY, bei dem es letzte Woche doch soooo gut ankam!

Tja, genau da beginnt der böse Teufelskreis. Man möchte gerne bekannter werden, seine Fotos in Zeitschriften und Werbekampagnen sehen, man will, dass der eigene Name Thema ist. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Wir müssen dafür arbeiten, um bekannter zu werden. Wir müssen aktiv sein, unsere Follower mit einbeziehen und sie für uns gewinnen. Und genau an diesem Punkt begehen viele von uns einen großen Fehler: Wir versuchen es, unseren Followen recht zu machen. Wir versuchen DEREN Geschmack zu treffen und stellen uns die Frage: „Was könnte ihnen gefallen?“ oder noch schlimmer: Wir schauen, was bei anderen, bekannteren Fotografen gut bei DEREN Fans ankommt. Ab hier wird es dann aber auch direkt schon kompliziert. Wer sagt, dass meinen Fans dasselbe gefällt, wie den Fans von anderen Fotografen? Und das Schlimmste: Wir lassen uns dazu verleiten, andere Fotografen zu kopieren. Das passiert in der Regel nicht einmal bewusst und vor allem nicht mit dem Hintergedanken, jemanden wirklich nachzumachen, aber diese ganze Sucht um Anerkennung verleitet zu solchen Schritten.

Ich habe mich selbst vor einigen Monaten dabei ertappt und bin wirklich vor mir selbst erschrocken. Neben dem schlechten Gewissen dem anderen Fotografen gegenüber, plagte mich auch die Tatsache, dass ich von MEINEM Weg abgekommen war. Wenn ich meine letzten Bilder anschaute, sah ich andere Fotografen darin. Aber wo war ICH? Ich hatte keinen eigenen Stil, kein Alleinstellungsmerkmal. Meine Bilder waren nichts Besonderes, weil sie irgendetwas ausdrückten, nur eben nicht mich selbst.

Ich war so erschüttert von dieser Tatsache, dass ein paar Tage Gedanken sortieren nötig waren, um wieder klar sehen zu können. Ich musste etwas ändern, und ich wusste auch schon genau was: Ich musste zurück auf MEINEN Weg, mit MEINEN Bildern, die MICH ausdrücken. Mich und das was ich fühle. Zugegegeben ist es nicht ganz einfach, mal so eben den richtigen Weg einzuschlagen. Das ist eher ein Prozess, der sich über viele Wochen und Monate hinweg entwickelt. Hier ist einfach Geduld gefragt. Geduld und eine gewisse Portion Ehrgeiz – sich SELBST zu gefallen, nicht den anderen! Denn ganz ehrlich, ist es euch lieber, super viele Fans zu haben und dabei nicht ihr selbst sein zu dürfen oder dafür ECHTE Fans zu haben, die eure Bilder und eure PERSÖNLICHKEIT zu schätzen wissen?
Ich weiß, wofür ich mich entschieden habe – und ich bereue diese Entscheidung nicht. Ich muss ganz ehrlich sagen, seit diesem Punkt sind meine Fans deutlich aktiver und die Like-Zahl nimmt immer weiter zu. Es gibt keine wirklichen Tiefs und die Reichweite bleibt soweit auch konstant. Ich investiere viel Zeit in das Posten meiner Bilder, mache das aber auch wirklich gerne. Ich schreibe gerne meine Gedanken zu den Bildern aus, meine Erfahrungen und Erlebnisse. Es macht mir Spaß und ist kein Muss für mich. Das mögen Kleinigkeiten sein, aber ich behaupte, dass das bei den Fans ankommt. Sie merken, ob man etwas postet, weil man denkt, dass man etwas posten MUSS oder weil man es gerne tut. Genauso ist es mit den Bildern. Je mehr sich der eigene Stil in den Bildern entwickelt, desto größer ist der Wiedererkennungswert, desto mehr stechen die Bilder aus anderen hervor.

Deshalb lasst euch sagen: Verbiegt euch nicht für Likes und potentielle Fans, die ab und zu mal ein Foto von euch liken. Seit ihr SELBST. Tut, was euch GLÜCKLICH macht. Zeigt, was EUCH gefällt! Nur so zeigt ihr eure Persönlichkeit und zeugt euren eigenen Stil.

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Ein Gedanke zu “Like-Sucht oder Selbstverwirklichung?

  1. Danke für diesen Beitrag. Mir geht es gerade ähnlich: Seitdem ich mich von der Weitwinkelfotografie auf längere Brennweiten umstelle und lieber Ausschnitte fotografiere sowie Schwarzweiß bevorzuge, sinkt die Anzahl der Leute, die meine Bilder anklicken, deutlich. Dennoch empfinde ich meine aktuellen Fotos als zu mir passend und halte sie für besser als frühere Bilder.
    Es ist schön zu wissen, dass es auch anderen Fotografierenden auf ihrem Weg ähnlich geht.

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